Prozess-Coaching

Beispiel einer spezifischen betrieblichen Fragestellung und der daraus abgeleiteten verallgemeinerten Aufgabenstellung
 

Unternehmen: KMU aus Sachsen-Anhalt Nord (Projektregion) mit dem Kerngeschäft Herstellung von Bauteilen aus technischer Keramik

Das Unternehmen stellt technische Bauteile aus Keramik (z. B. Siliziumoxid) durch das Verfahren Gießen her. Nach dem Härten lassen sich die Bauteile mit herkömmlichen Verfahren nicht mehr effizient und qualitätsgerecht mechanisch bearbeiten. Kundenaufträge, die eine solche Nachbearbeitung erfordern, können von dem Unternehmen gegenwärtig nicht realisiert werden. Eine Einschätzung, ob bzw. unter welchen Voraussetzungen sich das Material überhaupt bearbeiten lässt, konnte von dem Unternehmen ebenfalls nicht vorgenommen werden.
 
Ergebnisse der Entwicklungsberatung

Auf der Grundlage der durch das Projektteam bereits auf dem speziellen Gebiet durch-geführten technologischen Voruntersuchungen mit ähnlichen Werkstoffen, wurde im Beratungsgespräch die Bearbeitungsaufgabe als realisierbar eingeschätzt. Als grund-sätzliche Voraussetzung wurde eine dafür geeignete Technologie bestimmt. Diese Ultasonic-Technologie ist im Institut für Kompetenz in AutoMobilität –IKAM verfügbar und kann durch das Projektteam genutzt werden.

Aus der Problemanalyse wurde deutlich, dass die Bearbeitungsanforderung kein Einzelfall ist, sondern sich mit der zunehmenden Anwendung neuer Werkstoffe vergleichbare Auf-gabenstellungen auch in anderen Unternehmen ergeben werden. Dem Unternehmen wurde vorgeschlagen, die erforderlichen ergänzenden Detailuntersuchungen im Rahmen einer erweiterten Aufgabenstellung durchzuführen und dazu externe Kompetenzträger einzubin-den. Der dazu erforderliche Prozess wurde durch das Projektteam in ein Prozess-Coaching überführt.
 
Prozess-Coaching

Die Aufgabenstellung ist auf dem Gebiet Fertigungstechnik, Bearbeitung schwer zerspan-barer Werkstoffe angesiedelt. Im Rahmen des Projektes WFQ standen dem Projektteam die für den Aufgabenbereich erforderlichen technischen Ausstattungen (CAD/CAM-System, CNC-Bearbeitungszentrum mit Ultrasonic-Technologie, hochpräzise Fertigungsmesstechnik, …) zur Verfügung.

Aus dem konkreten Einzelproblem wurde projektintern die unternehmensunabhängige Aufgabenstellung „Mechanische Bearbeitung der technischen Keramik Aluminiumoxid“ abgeleitet. Das spezielle betriebliche Problem, resultierend aus einer Kundenanfrage bei dem KMU, ist in diese Themenstellung eingeschlossen. Die im Rahmen des Projektes zu erarbeitenden Lösungsansätze sind beispielhaft und lassen sich auf andere Anwendungs-fälle applizieren.

Um der breiteren Aufgabenstellung Rechnung zu tragen, wurde das Thema „Bearbeitung technischer Keramik“ als Bachelorarbeit vergeben. In die Betreuung der Arbeit war das Projektteam maßgeblich eingebunden. Die für das Projekt zur Verfügung stehenden tech-nischen Ausstattungen wurden für die erforderlichen technischen Untersuchungen einge-setzt. Die erforderliche Einarbeitung des Studenten wurde vom Projektteam realisiert. Zusätzlich wurden in den Prozess Technologieführer auf dem Gebiet der Werkzeugtechnik und der Ultrasonic-Technologie umfänglich eingebunden.

Ergebnisse
  • Durch das Projektteam wurde ein komplexer Fertigungsprozess für ein Muster-werkstück aus Aluminiumoxid konzipiert. Dieser beinhaltet die Anwendung der aus Untersuchungen ermittelten geeigneten technologischen Parametern, Werkzeuge und Spannmittel, die CAD/CAM/CNC-Prozesse und der Qualitätsnachweis.
  • Dem Unternehmen wurde das Musterwerkstück als Referenzobjekt für zu erwartende Kundengespräche übergeben. Für das Unternehmen sind die Möglichkeiten der Ultrasonic-Technologie erkennbar geworden (Wissenstransfer). Bei steigender Nachfrage nach mechanisch bearbeiteten gehärteten Industriekeramiken kann ein unternehmensspezifisches FuE-Projekt auf der Grundlage der im Coachingprozess gewonnenen Erkenntnisse eingeleitet werden.
  • Die fachspezifischen Ergebnisse sind auf der Internetseite dargestellt und können von Unternehmen ohne Einschränkungen genutzt werden.
  • Die Ergebnisse der Zerspanungsuntersuchungen sind in die im Aufbau befindliche technologische Datenbank „Keramikbearbeitung“ eingearbeitet und stehen damit als Basis für weitere Beratungsgespräche und Coachingprozesse zur Verfügung (Basis für weiteren Wissenstransfer).
  • Die fertigungstechnischen Möglichkeiten bei der Bearbeitung von Bauteilen aus Alu-miniumoxid wurden einem weiteren regionalen KMU vorgestellt. Das Unternehmen kann daraus Schlussfolgerungen für die konstruktive Gestaltung/Auslegung seiner Produkte (Einsatz neuer Werkstoffe) ziehen.


Der beschrieben Prozess ist ein Referenzbeispiel für die Ableitung einer im allgemeinen Interesse liegenden technischen Aufgabenstellung aus einer konkreten betrieblichen An-frage. Der Wissenstransfer aus der Universität über Bachelor- und Masterarbeiten unter Nutzung außeruniversitärer und außerbetrieblicher technischer und personeller Ressourcen zur Verbreitung einer neuen Technologie, die insbesondere in KMU nicht zur Verfügung steht wurde erprobt. Daraus leitet sich ab, dass Unternehmen im vorwettbewerblichen Be-reich nicht nur Zugriff auf modernste unternehmensexterne technische Ausstattungen erhal-ten, sondern gleichzeitig auch ingenieurtechnische Fachkräfte mit speziellen Kompetenzen für die Region entwickelt werden können.